Sonntag, 29. Juli 2012

Zurück nach Chile














Nach sieben Tagen (Brigitte gar 20 Tagen) intensivem Sprachunterricht in Sucre spreche ich natürlich praktisch akzentfrei spanisch. Schade an der ganzen Sache ist nur, dass so viele Bolivianer so unverständlich sprechen und ihre Muttersprache – von mir eben sozusagen perfekt gesprochen - nur mühsam verstehen...

Nach 32 Tagen in Sucre (inkl meinem Kurz-Reisli in die Schweiz) freuen wir uns gewaltig aufs Weiterreisen. Eine ausgedehnte Fahrt übers Altiplano soll uns über den 4666 m hohen Chungara-Pass in Chiles nördlichste Stadt, Arica, führen.
Wie sieht ein solcher Reisetag aus? Lasst mich den zweiten Tag beschreiben:
Unser Auto steht im Innenwinkel zweier Mauern eines ausgedienten Gebäudes, deshalb ist die Nachttemperatur halbwegs christlich: Im Auto 3° plus, im Freien ein paar wenige Grad unter dem Gefrierpunkt. So war der Entscheid, die Wasserleitungen im Auto nicht zu leeren und somit heute fliessend Wasser zu haben, nicht falsch. Morgens sieben Uhr ist es aber zum Weiterschlafen zu kalt, zum Aufstehen jedoch auch. Also hören wir vorerst einige Kapitel aus einem Hörbuch.
Eine Stunde später gibts einen kurzen Kafi und dann schnell abfahren, damit die Heizung unsere kalten Füsse trösten kann.
Oruro ist gemäss unserem Reisebuch nichts besonderes. Das GPS ist offenbar anderer Meinung, es meint, uns wie bei einer Stadtrundfahrt durch alle Strassen und Strässchen jagen zu müssen. Die vielen Hundgegangs haben während der Nacht ganze Arbeit geleistet: Zahllose Kehrichtsäcke haben sie aufgerissen und deren Inhalte grossräumig verteilt.
In Bolivien ist Diesel für Ausländer dreimal so teuer wie für Inländer. Wenn man beim Tankwart aber ausdrücklich keine Quittung verlangt, ist er bereit, ein Auge zu- und (s)eine Tasche aufzumachen. Um meine Sprachkenntnisse zu praktizieren, versuche ich, von halbe-halbe auf ¼ - ¾ herunterzumarkten.
Nach der Stadt fahren wir auf pfeifengerader alter Teerstrasse durch Ödland. Das Land scheint wertlos zu sein: Die sich im Bau befindende neue Strasse wird einfach 100 m neben der alten erstellt.
Im nächsten Städtchen ist ein enormes Gewusel, die Strasse und alle Plätze sind komplett überstellt: Es ist Markt, vor allem wird Vieh gehandelt. Kein Mitglied eines schweizerischen Tierschutzvereins könnte intervenieren, jedes wäre schon beim ersten Anblick vom Schlag getroffen tot umgefallen: Lamas werden im Minibus und auf dessen Dach transportiert, auf der Führerkabine eines Lastwagens (die Ladebrücke ist für menschliches Transportgut reserviert) sind Rinder so hingebunden, dass der Metzger kaum mehr Arbeit haben wird. Der Anblick der Frauen in ihren unzähligen Röcken und den obligaten, scheinbar viel zu kleinen Zylindern lenkt mich von dieser Tragödie ab.









Man beachte das Transportgut auf dem Dach











Ein Strassenschild – hört hört: Ein Schild!! - nach Eucaliptos lässt uns die wenig interessante Hauptstrasse verlassen und den kürzeren, aber zeitlich sicher längeren Weg wählen. Wir erfreuen uns an den „Flickenteppichen“: Unzählige kleine Äckerlein an den Berghängen zeugen vom Fleiss der bolivianischen Landbevölkerung.

Die Piste verliert sich im nächsten Dorf zwischen den Lehmziegel-Häusern. Ohne Fragen geht nichts mehr, ein Señor erklärt uns den Weg freundlichst und beispielhaft umständlich.
Hunger! Inmitten einer Grasbüschelebene machen wir eine stündige Zmorge-Pause. Das Wetter ist fantastisch und für diese Gegend offenbar „normal“: Stahlblauer, absolut wolkenloser Himmel, kaum Wind, etwa 16° im Schatten, an der Sonne herrlich warm.
Das nächste Dorf auf rund 4000 m erreichen wir auf erstaunlich guter Piste. Sie führt direkt auf den Dorfplatz. Zwei Hunde und eine kräftige Muttersau heissen uns ungestüm willkommen.
Auch in Totora führt die Piste auf den Dorfplatz. An jeder Ecke führt eine Piste weiter. Eine Frau mit zu einem U zusammengebundenen und mit Gewichten bestückten Zöpfen weist geradeaus, ein herbeigeeilter Mann jedoch nach rechts. Das GPS ist auch keine echte Hilfe: Es meint lakonisch: Offroad. Wir verlassen uns auf den Kompass und auf den von weitem grüssenden 6540 m hohen Sajama mit seinen zwei ebenfalls schneebedeckten Vasallen.


Die Nachmittagspause verwenden wir nebst Kaffeetrinken dazu, uns mit dem neuen Fotoapparat resp. seiner Elektronik vertraut zu machen. Die 1001 Möglichkeiten begeistern uns, allerdings fordern die dicke Gebrauchsanleitung und die beinahe grenzenlose Elektronik unsere Geduld und unsere Lernbereitschaft. Hoffentlich bemerkt Ihr an der Fotoqualität den neuen Apparat!

Einige sehr seltsame Steingebilde fesseln unsere Aufmerksamkeit besonders. Wir ziehen die Wanderschuhe an und machen uns auf den Weg zu ihnen. Sie stehen neben einem riesigen Felsriegel, der wie eine ausgewaschene Küste, mit Spritzbeton verstärkt, aussieht. Sind das etwa alte Gräber? Die vielen herumliegenden bemalten Tonscherben lassen vermuten, dass wir uns in einer alten Kultstätte befinden.


















































In einer knappen Stunde, um 18h15, wird es dunkel sein. Wir finden einen geeigneten Nacht-Standplatz auf einer ausgedienten Seitenpiste. Das GPS zeigt „nur“ 3950 m an, die Nacht sollte also nicht allzu jämmerlich kalt werden (diese Annahme erwies sich im Nachhinein als katzfalsch).
Wenige Tage später haben wir das herrliche Altiplano durchquert, vorbei an Thermen und Lamaherden, zwischen weissstrahlenden 6000er Vulkanen hindurch, mit einer Wanderung durch den welthöchsten Wald (!) auf 5000m Höhe, über Bächlein und Salzpfannen, vorbei an einem räuchelnden Vulkan, und sind über den Chungarapass auf 4666 m zum chilenischen Arica am Meer abgestiegen.
























































Von dort grüssen euch ganz herzlich
Lukas und Brigitte

Sonntag, 15. Juli 2012

Sucre

Für Bolivien liegt Sucre nicht besonders hoch - nur 2800 müM
Unser Merzli und ich sind in diesem Garten gut aufgehoben
Es gab Leute, die sich bei uns erkundigten, ob sich nicht hie und da der „Arnoldcholler“ einstelle.  Wir verneinten dies damals und können das auch heute noch. Lukas’ Heimreise konnte eventuell den Gedanken aufkommen lassen, dass er in die Schweiz geflüchtet sei und ich mich im Merzli breit gemacht habe. Nichts davon ist wahr, aber trotzdem, eine Pause tut gut. Pause vom steten Rumreisen, Pause vom nie Alleinsein, Pause vom Entscheiden nur zu zweit....
Während Lukas in der Schweiz herumsprang, nutzte ich diese Pause für Spanischlektionen; um Sucre etwas kennenzulernen, und vor allem, um mich auszuruhen. Die Berufstätigen dürften kopfschüttelnd fragen, wovon ich mich denn ausruhen müsse: Reisen kann ganz schön anstrengend sein und füllt alle Sinne, bis sie zu überlaufen drohen und nichts mehr rein passt. 

In einer Strasse von Sucre






Sucre gefiel mir auf Anhieb gut. Zwischen sanften Hügeln ist die mit gut erhaltenen Gebäuden aus der Kolonialzeit ausgestattete Hauptstadt Boliviens ein Juwel und der ideale Ort zum Verweilen. Obwohl Hauptstadt, sitzt die Regierung in La Paz, was wahrscheinlich die Stadt noch gemütlicher macht.
Auf der Strasse zur Schule wischen die Bewohner jeden Morgen vor den eigenen Türen das Trottoir. Dieses gehört zum Haus und ist deshalb je nach Hausabschnitt mit mehr oder weniger schönen Platten belegt. Es folgt nach einem (bolivianisch) perfektem Abschnitt z. B. ein solcher ohne Platten – blosse Erde – dann ein Abschnitt mit zerbröckelnden Platten. Ich schätze das tägliche Wischen, denn die Abschnitte der weniger pflichtbewussten Bewohner sind überstreut mit Hundekegeln, den Zeugen der nachts streunenden Hunde. Natürlich sei das tägliche Wischen vor der Haustür auch als Kommunikationsmittel zu verstehen, meint mein Lehrer.

Die Schule
Mein Ausblick während der Paus















Während der Abwesenheit von Lukas besuchte ich am Wochenende eine Hazienda. Diese war früher gross, reich, wichtig und in spanischem Eigentum. Nach der x-ten Agrarreform (wie in allen Ländern Südamerikas) verlor die Hazienda viel Land, konnte deshalb kaum noch bewirtschaftet werden und verlor an Bedeutung. Heute führt die Tochter (Professorin für Sprachen,
wohnt in Sucre) Touristen hin, kocht mit ihnen, führt sie durch das kleine Dorf, wo jede Frau zu Hause einen Webstuhl hat, und erzählt von der Zeit, als die Hazienda voller Leben war. Noch heute werden die Felder bestellt; Arbeiter zu finden, sei jedoch schwierig, da die Leute lieber in der Stadt wohnen und sich nicht für andere den Rücken krümmen. Ich meine: Alles eine Frage der Lohnhöhe.


In der Hazienda dreht sich alles um die warme Küche

Am nächsten Tag besuchte ich den Sonntagsmarkt in Tarabuco. Diese Gegend ist berühmt für Webe- und Strickarbeiten. Farbenfroh und vielfältig werden tausende von Souvenirs präsentiert. Aber auch gebrauchte Betttücher aus Schafwolle werden verkauft, weil die Familie unbedingt Geld braucht.

Sonntagstracht für Männer in Tarabuco
Die Freude über die Rückkehr von Lukas liegt nicht nur in den mitgebrachten Leckereien (Appenzellerkäse und Schoggi). Wir haben uns beide darauf gefreut, die Abende wieder gemütlich im Merzli zu verbringen, weiterhin Neues zu entdecken und zu erfahren.  Allerdings lassen wir uns nochmals eine Woche Zeit in Sucre. Unser Spanisch ist ja noch recht ungeschliffen und einige Lektionen mehr werden dem hoffentlich etwas abhelfen.
Die gestrige Tageswanderung zeigte uns, dass wir etwas eingerostet sind. Sie führte durch eine fantastische Landschaft, ausgetrocknet, wild und einsam, und so rückten unsere Wehwehchen bald in den Hintergrund.

Ganz schön wackelige Angelegenheit; ein genialer Schlusspunkt der Wanderung

Der private Platz, wo unser Merzli Gastrecht hat, ist seit gestern Abend ohne andere Reisende. So sind wir wieder ganz allein. Wir geniessen die Ruhe, den schönen Platz nahe des Stadtzentrums und die Zeit.
Ende der Woche werden wir nochmals übers Altiplano fahren und dann bestimmt unsere Bettflaschen brauchen, zehn Stunden im warmen Bett verbringen und heisse Suppe mit Chili kochen, damit es auch in unserem Innern so richtig einheizt.

Wir grüssen herzlich

Brigitte und Lukas

Samstag, 30. Juni 2012

Die Mine in Potosì




4000 müM ist auch für Bolivien bemerkenswert hoch!

Stelle Dir den absolut miesesten Arbeitsplatz in der Schweiz vor. Nimm einen zwanzigstel des Lohnes, den Du dort erhalten würdest. Erhöhe die Umgebungstemperatur des Arbeitsplatzes auf 40°C. Entferne alle maschinellen Hilfsmittel. Du darfst nur in der Nacht resp. bei Kunstlicht arbeiten. Nimm der Luft einen Teil des Sauerstoffes und gib dafür nicht zu knapp giftige Gase dazu. Wirf jetzt alle Schutzvorrichtungen und Schutzkleider weg. Sei Dir bewusst, dass Du an diesem Arbeitsplatz weder auf eine Gewerkschaft zählen kannst noch auf irgend ein staatliches Gesetz.
Gelingt es, all das Dir vorzustellen? Dann bist Du reif für die Mine in Potosì.


Der Besuch dieser Mine ist für mich kein reiner Spass. Ich durchlebe alle Gefühle: Staunen, Erschrecken, Spott, Wut, Erbarmen, Hilflosigkeit, tiefe Dankbarkeit für mein Schicksal.
Das ist der Cerro Rico, der Silberberg, in dem
während der Kolonialzeit 8 Mio Indios
an den Arbeitsbedingungen starben.










Heute stirbt "nur" noch täglich ein Minenarbeiter an Unfall oder Staublunge.

Mein Führer Antonio, ein ehemaliger Minenarbeiter, holt mich beim Hotel ab. Mit Mühe kann ich erkennen, welche Sprache er nuschelt: Offenbar versucht er es mit Englisch.
Vorbei geht es an vielen kleinen Läden, die Bergmanns-Bedarf verkaufen: Pickel, Stiefel, Lampen, Brecheisen, Säcke, Winden, ... Später erfahre ich, dass die Bergleute alles selber stellen müssen, sie erhalten gar nichts, auch nicht Schutzkleidung, zur Verfügung gestellt.
Wir halten vor einem Stand mit Gegenständen des täglichen Bedarfs: Coca-Blätter, selbstgedrehte haschähnliche Zigaretten, 96%iger Trinkalkohol, Dynamit mit Zünder und Zündschnur, Süsswässerli. Auf Geheiss Antonios decke ich mich mit solchen Dingen zwecks Geschenk an die Minenarbeiter ein.




































Jeder Minenarbeiter hat eine von Cocablättern ausgebuchtete Wange. Antonio versicherte mir, das Coca binde einen Teil des schädlichen Staubes.

In Potosì kann jeder - Frau, Mann, In- oder Ausländer, Kind oder Erwachsener - völlig legal und in beliebiger Menge, Dynamit + Zündschnüre kaufen.
Antonio geht mir voraus zu einem Umkleideraum. Die 4200 müM lassen mich keuchen wie eine Dampflokomotive. Kann man in dieser Höhe überhaupt körperlich arbeiten? Sicherheitshalber stopfe auch ich mir eine Backentasche voll mit Cocablättern und gebe ein Stück "Katalysator", ein Gemisch aus Kartoffelpulver, Zucker und Geheimnis, dazu.
Kurz nach dem Stolleneingang treffen wir in einem kleinen Seitenstollen auf Tìo: Eine lebensgrosse sitzende Lehmfigur mit Hörnern und einem erigierten Penis. Antonio erklärt mir, dass er gläubiger und praktizierender Katholik sei, aber in der Mine glaube er an Tìo, hier entscheide er über Leben und Tod, ihn gelte es unbedingt bei Laune zu halten. Der Ex-Minero verfällt in ein Gebet, dann streut er Cocabläter über beide Hände, beide Stiefel und den Penis, begiesst vor allem diesen mit dem 96er Schnaps und heisst mich, ihm gleichzutun. Dann legen wir ihm je eine superstarke brennende Zigarette, Grösse XXL, in die rechte Hand und in den Mund.





Mindestens jeden Freitag muss dem Tìo gehuldigt werden: Beten. Cocablätter streuen, Zigarette anzünden, zusammen mit ihm trinken.





Die Stollen sind grauenhaft: Auch für die kleinen Bolivianer viel zu niedrig zum Aufrecht gehen, Asbestblumen an den Wänden, gesprungene Schienen für die Loren am Boden, Kabel mit zum Teil blanken Stellen zielen auf Deine Augen, plötzlich ein viele Meter tiefes Loch (= abfallender Nebenstollen), Wasser knöcheltief, keine Beleuchtung.
Gearbeitet wir praktisch ausschliesslich von Hand: In verbeulten Kübeln wird mit einem Seil das Gestein heraufgezogen, in Kartoffelsäcken zur Lore getragen, diese gebückt weggestossen. Warum keine Presslufthämmer? a) Woher nehmen? b) womit bezahlen? c) die Erschütterungen könnten den Schacht einstürzen lassen.



































Nur bei ergiebigen Adern lohne es sich, eine Steinrutsche zu bauen.






















Zurück bei Tìo - wir wollen ihm für den unfallfreien Rundgang danken - kommt Antonio in Fahrt. Ohne die Stimme zu erheben, aber mit viel Emotionen prangt er den rechtsftreien Raum der Mine an. Er begann damals als 14jähriger in der Mine zu arbeiten, weil er das fehlende Einkommen des an Staublunge gestorbenen Vaters ersetzen musste. Die Cooperativos (8 - 20 Arbeiter) seien ein Betrug, sie seien geschaffen worden, um die Minenarbeiter noch mehr auszubeuten: Restlos alles Werkzeug muss die Cooperative selber stellen, b
ezahlt wird nach Gewicht des ausgebeuteten Metalls (nicht des Gesteins!) und dieser Preis sei wiederum abhängig vom Weltmarktpreis. So falle jegliches Risiko auf den Mineur. Um die Sicherheit kümmere sich gar niemand, nach durchschnittlich 10 Jahren erkranke oder verunfalle der Mineur. Die Struktur sei so gewählt, dass sich die Cooperativos gegenseitig konkurrenzieren und somit bekriegen. Das beuge Streiks vor.
Ich frage den geschätzt 45 jährigen, leicht hinkenden, sehr buckligen Antonio nach seinem Alter: Er sei jetzt 29 und der Entschluss, nicht mehr im Cerro Rico zu arbeiten, sei der beste Entschluss in seinem Leben gewesen. Er gehe jetzt in eine staatliche Schule, um etwas anderes zu lernen. Allerdings wisse er nich, wo arbeiten: Die Regierung unterlasse in Potosì ganz bewusst jegliche Ansiedlung einer anderen Industrie.
Denke ich an die Antonios, wenn ich billige Zink-Batterien kaufe? Und geht es den Antonios besser, wenn ich die teurere Sorte kaufe? Irgendwo las ich den Satz "Die Kapitalisten und Börsianer sterben nicht an Staublunge, im Gegenteil, sie leben von ihr".
Ich beruhige mein Gewissen ein kleines bisschen, indem ich Antonio ein Nötchen gebe, das nicht ein Trinkgeld, sondern ein Geschenk ist.

Tagebucheintrag vom 26. Juni 2012
Der Flug von Sucre nach El Alto/La Paz ist familiär: Wir sind zu fünft in einem Propellerflugzeug, das nur Fensterplätze hat. Dafür fehlt ein WC. Der Morgen ist klar, die Luft knochentrocken, ich kann also jedes Detail in den Bergbauerndörfern sehen.
Ich habe die Flüge für meinen Kurzbesuch in der Schweiz so gebucht, dass ich einige Stunden in La Paz sein kann. Wenn ich auch in dieser Zeit die Stadt nicht kennenlernen kann, so habe ich doch die Möglichkeit für eine Blitzlichtaufnahme, für einen ersten Eindruck.
Die Strassen in El Alto sind komplett verstopft. Dort und auf der Schnellstrasse nach La Paz zeigt mein Taxichauffeur, dass er ein echter Krieger ist. Er kämpft kompromisslos und hart um jeden Zentimeter – und gewinnt oft. Autofahren in Bolivien muss weniger gefährlich sein als bei uns: Auf der Schnellstrasse fährt er bei 90 km/h auf eine halbe Autolänge aufs Vorderfahrzeug auf und stellt dann eine Telefonnummer auf seinem Handy ein.
In La Paz finden zufällig heute drei Grossanlässe gleichzeitig mit entsprechend lebhaftem Betrieb statt: Heute muss das nationale Hupfest gleichzeitig mit dem Kongress der Blinden und dem grossen Zusammenkommen aller Marktfahrenden Boliviens sein. Das zeigt sich so: Alle Autos und Collectivos hupen ununterbrochen, in allen Tonlagen, in allen Variationen. Aber die Hauptvorführung scheint erst später zu sein, das Gehupe ist noch so unkoordiniert wie die Töne einer Blechmusik, wenn sich die Bläser vor dem Konzert warm spielen.
Für die offenbar vielen Blinden geben sich die Bolivianos alle Mühe: jeder Taxifahrer schreit aus seinem angeschriebenen Auto ununterbrochen „TaxiTaxiTaxi!“, ein Mann, der mit mehreren Kilos Sicherheitsnadeln behangen ist, schreit ohne Atempause das gleiche Wort (ich nehme an, „Sicherheitsnadeln!“), der Herr über mehrere Quadratmeter Tischfläche voller Malenschlösser lotst die des Sehens nicht Mächtigen stimmgewaltig zu sich usw.
Zusammenkunft der Marktfahrenden: Jede von mir erklommene oder hinuntergestiegene Strasse ist mehr oder weniger lückenlos und beidseitig mit Marktständen belegt: 100 m Nägel, dann 150 m Sandalen, 60 m Pfannen, 10 Minuten Jeans, ... Und auf der Strasse, zwischen den Collectivos, schreien Honigverkäufer, Anbieter von Salatsieben oder von Keilriemenverkäufer um die Gunst der Blinden. Wahrscheinlich ist es eine internationale Zusammenkunft, ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass Bolivien allein so viele Marktfahrer hat!
Neben einer sehr kleinen und extrem breiten Marktfrau (nur füllig oder unzählige Röcke und Schürzen?) lasse ich mich auf ein Schemeli auf dem Trottoir nieder und bitte um ein Mittagessen. Schon halte ich einen Teller Suppe mit einer ganzen Hühnerkralle auf den Knien. Nach Huhn, Kartoffeln und Reis reicht sie mir einige Blätter von der WC-Papierrolle (zur Mund- und Fingerreinigung).
Wenn ich mir das zweite Mal in meinem Leben die Schuhe reinigen lassen werde, muss ich besser aufpassen: Wenn mir der Schuhputzer auf die Sohle tippt, werde ich den Fuss wechseln, bevor er mich fassungslos-entsetzt wegen meines Nichtreagierens anschaut.
Der Taxista, der mich zum Flughafen zurückbrachte, hatte Glück: Weil eine Gruppe Leute umwelt-ungerecht zwei Dutzend Pneus mitten auf der Strasse entsorgte – anzündeten! - endete dort unser Auftragsverhältnis und wegen höherer Gewalt ohne Preisnachlass. Ich musste die Strassenblockade zu Fuss passieren und auf der anderen Seite mich einem Wucherer ausliefern – auch er nutzte die Gunst der Stunde – nämlich die kleine Anzahl Taxis auf dieser Seite.
Wenn ich noch besser spanisch verstehe, werde ich eine Indio fragen, wie ihr Zylinderchen auf dem Kopf hält. Es sieht aus wie von einem Kindergärtler gezeichnet: Ganz zuoberst auf dem Kopf ist der Hut leicht schräg hingestellt. Entgegen den physikalischen Gesetzen fällt er aber nicht herunter.


Liebe Grüsse vom Kurztripp in die Schweiz
                                        Lukas

Freitag, 22. Juni 2012

Altiplano


Cochabamba-Uyuni-Lagunen-Uyuni-Potosi-Sucre
























Cochabamba zeigt sich als lebhafte Stadt mit Marktständen beidseits der Strasse bis (fast) zur Strassenmitte, so dass das Durchkommen Geduld und Nerven, aber keinen Autolack kostet.
Wir können unser Fahrzeug auf dem Hof vom Hotel Casa Campestre abstellen. Das ist gut so, denn alsbald liegen wir flach: Pfnüsel, Durchfall der Extraklasse, Halsweh und grosse Müdigkeit überfallen uns hinterrücks. Wir loben den ruhigen Hinterhof, die warme Dusche, die Möglichkeit, die Spuren der Magen-Darm-Unpässlichkeit zu waschen... Vom mitbezahlten Frühstücksbüffet bekommen wir wenig mit – der Magen fordert imperativ nach Ruhe. Nach vier Tagen sind wir wieder soweit hergestellt, dass wir den Ausflug zur Gasabfüllstation wagen können. Das Gasvokabular ist uns vom letzten Mal noch geläufig. Nach der Stadtdurchquerung schickt uns die erste Anlaufstelle an eine andere, 30 km entfernte Station. Jänu – was machen wir nicht alles, um Gas zu bekommen. Wir sind noch nicht so in Not wie unsere Franzosenfreunde, die keinen Tropfen mehr haben und seit Wochen erfolglos nach Gas lechzen und betteln. Wo bleibt die Globalisierung bei den Gasanschlüssen? Unsere Flasche wird aufgefüllt, und zwar g r a t u i t o ! Die Flaschen der Franzosen (Campinggas, EU) können nicht aufgefüllt werden. Sie müssen in den sauren, kalten Apfel beissen und ohne Gas weiterfahren. Wir verabschieden uns von ihnen – bien sûr, on se verra en France!






Wir haben es eilig, aufs Altiplano zu kommen und schauen uns deshalb Cochabamba nicht mehr genauer an. Von 2700 auf über 4000 m zu fahren ist ein Erlebnis. Die lange Steigung, d.h. die langsame Fahrt der Autos machen sich die Hunde zu Nutze: Zu Hauf liegen sie auf Futter wartend am Strassenrand – mit treuherzigen Blicken, und mit verschränkten Pfoten hoffen sie auf barmherzige Spenderherzen. Jedes zweite Hundeli würde ich am liebsten mit ins Auto nehmen – sie sind wunderschön! Weil sie so liebevoll betteln können, sind sie nicht abgemagert.
Oben auf dem Altiplano schlägt sie unbarmherzig zu, die Kälte! Obwohl wir raffiniert windgeschützt hinter einem Haus stehen, messen wir um 7 Uhr früh -6° draussen und drinnen 1°. Das Aussuchen der heutigen Garderobe fällt sehr sehr kurz aus. Schnell in die Kleider springen und losfahren, damit das Auto sich und uns aufwärmen kann. (Für Interessierte: Die teure Truma-Dieselheizung funktioniert bis 1500 m, mit dem Höhenzusatz bis 2500 m, darüber würde sie nach kurzem heftigem Rauchen wegen Sauerstoffmangel sterben).



Vor uns liegt das Altiplano mit seiner Weite, begrenzt in der Ferne durch die Fünf- und Sechstausender. Lamas, salzhaltige Lagunen mit Flamingos, Esel und – wenn auch wenige – Kühe bereichern die Zone. Die Äcker werden kaum mit Maschinen bewirtschaftet – fleckenweise werden sie sorgfältigst mit der kurzstieligen Hacke bearbeitet. Das wichtigste Produkt ist Quinoa, eine Hirseart, etwa vergleichbar mit Cuscus. Sie schmeckt kalt als Salat und warm als Beilage wunderbar.
Vor dem Salar de Uyuni verbringen wir die kältemässig grausamste Nacht. Der Rundumblick ist teuer bezahlt: -3.5° wecken uns am Morgen; draussen knochentrockene -14°! Man kann sich ja vorstellen, wie schnell wir angezogen sind und wie wir uns auf den am Abend in die Thermosflasche gefüllten Tee (danke Christian für die Flasche!) stürzen. Das Altiplano ist dünn besiedelt. Umso selbstverständlicher ist es, dass man einander hilft. Da versucht einer ein Rad zu wechseln – ohne Wagenheber eher schwierig ..., der nächste will mitfahren, weil seine Pleuelstange ausgeleiert ist und er in Uyuni eine neue kaufen will. Aber wir Fotoapparat-Touristen sind ihm zu langsam – er wartet auf die nächste Gelegenheit. Bald steht der nächste am Wegrand: Ein Professore, der nach Uyuni mitfahren will, weil sein Auto defekt ist. Er ist ein interessanter Fahrgast, der uns einiges über das Leben im Altiplano erzählen kann. Vor Uyuni verabschieden wir uns von ihm, weil wir jetzt auf den Salar fahren wollen. Wir sind gespannt auf diesen nächsten Höhepunkt der Reise. Vor dem Salar fahren wir am ersten Salzhotel vorbei, also ein Haus, dessen Mauern, Böden, Möbel, ... nur aus Salz gebaut sind.



Der Respekt vor der Kälte in der Nacht und das wunderbare Ambiente des Salzhotel verleiten uns zur Buchung einer Nacht. Man verspricht uns geheizte Räume; aber das Nachtessen nehmen wir eingehüllt in die Winterjacke ein (die bolivianischen Tischnachbarn waren noch zusätzlich in Kappe, Halstuch und Handschuhe eingemummt), das Zimmer hatte am Morgen Eisblumen an den Fenstern, aber das Bett war himmlisch warm.
Somit können wir erholt den neuen Tag beginnen. Zuerst steuern wir das erste, heute nicht mehr betriebene Salzhotel auf dem Salar an. Das Hotel hat schon viele Jahre auf dem Buckel und war einst bestimmt sensationell (immer dem bolivianischen Standard entsprechend) – heute dient es als Museum und als Orientierungspunkt auf dem Salar. Eine riesige weisse Fläche – so gross wie 1/4 der Schweiz - zeigt, wie klein unser Auto und wir sind.

Unser Navigationsgerät will keine Koordinaten erkennen. So hoffen wir, die Isla Incahuasi den Spuren folgend zu finden. Aber davon gibt es viele! Schon beim ersten Anlauf merken wir, dass diese Spuren uns auch falsch leiten können. Nebel auf dem Salar muss ein Alptraum sein. Incahuasi ist eine Insel inmitten des Salars, die mit bis zu 12 m hohen und über 1000 Jahre alten Kakteen bewachsen ist, bewohnt von Vögeln und Viscachas (= Hasenmäuse). Zuoberst gehört ein kleiner Teil der Schweiz – warum sonst hat es eine Tafel, die an den 1. August erinnert?







Vergnügt bummeln wir zwischen den Kakteen herum, bewundern die unendliche Weite und haben den Überblick über die gefährlichen „Ojos“ = Öffnungen, die je nach Saison trockener oder wässeriger sein können und schon manchem Autofahrer das Herausschleppen erleben liessen. Wir sind zur Trockenzeit hier und müssen das kaum befürchten.
Eine weitere kalte Nacht verbringen wir auf dem Salar – wir haben jetzt Übung im Frühinsbettgehen, warm Einpacken, lange Liegen und Hörbuch geniessen. Eine Bettflasche hilft die bereits um 19 Uhr kalten Füsse aufzuwärmen.

Selbstverständlich müssen wir dem Merzli anderntags eine ausgiebige Reinigung vom Salz gönnen. Dabei lernen wir einen Touristenführer kennen, und bereits nach einer Viertelstunde wissen wir, dass wir anderntags mit ihm und seinem Toyota Landcruiser auf die zweitägige Lagunentour gehen werden. Unserem Merzli wollen wir diese Tortour nicht antun und lassen es gut gesichert in Uyuni stehen.



Lagunentour
Auf den ersten paar Dutzend Kilometern meinen wir, diese Tour hätte auch unser Auto gut gemeistert. Aber dann zeigt sich, dass unsere Entscheidung weise war: Auf sandiger, wellblechiger und von Tourenautos malträtierter Piste geht es im kaum besiedelten Gebiet zu den Lagunen. Diese bezaubern mit den je nach Gehalt der Mineralstoffe, der Einstrahlung der Sonne und der Tageszeit verschiedenen Farben. Flamingos stochern mit ihren Schnäbeln in den Algen, elegant stolzierend auf ihren Steckenbeinen.
Andere Lagunen sind so arm an Nährstoffen, dass keine Tiere zu beobachten sind. Dafür wirken die weissen Boraxränder bezaubernd. Alle Salzseen liegen um oder gar über 4000m. Höhepunkt ist die Laguna Colorada: In allen Farben präsentiert sie sich mit einem enormen Bestand an verschiedenen Flamingoarten. Kupferhaltige Mineralien, das Algengrün, die Boraxinseln ergeben zusammen mit dem Blau des Himmels eine einmalige Szenerie.








Wir schlafen auf 4300m – unser Doppelbett besteht aus einem Betonblock mit einer Matratze darauf. Die Toiletten befinden sich ziemlich weit weg, das Licht stirbt um 21 Uhr – und die Schweizer haben die Stirnlampe nicht


dabei! Gut, dass ich mich beim Trinken einschränkte! Auch hier wird inWintermontour das Nachtessen eingenommen und weil’s so arschkalt ist, muss man schon vor 20 Uhr ins Bett – um 05:30 müssen wir ja bereits wieder stramm stehen.
Auch am frühen Morgen gibt es kein Licht. Mit Tasten finden wir Unterhosen und Pullover, können alles in die Tasche stopfen und schnell ins kalte Auto hüpfen. Auf 4900 m liegen die Geysire mit dem wunderschönen Namen Sol de Mañana. Es dampft und pfeifft aus allen Löchern – der Gestank verrät, dass wir wirklich bei Geysiren sind.
Es ist noch dunkel, der Wind ist hellwach (4900m!): zum Verbleiben gelüstet es niemanden. Wir sind erstaunt, wieviele Touristenautos (oftmals zu siebt plus Chauffeur in einem Toyota Landcruiser!) unterwegs sind. Wir geniessen die Fahrt in den erwachenden Tag, langsam die Konturen der Berge erkennend und schlussendlich bei kräftigem Sonnenschein bei den Termas de Chalviri anzukommen. Was für ein Genuss, den Morgen in einem knapp 40° warmen Teich fortzusetzen! Die Laguna Verde – bewacht durch den Vulkan Licancabur zeigt sich am Vormittag nicht in der Farbenpracht, wie sie um die Mittagszeit zu sein verspricht. Erst wenn die Sonneneinstrahlung einen gewissen Winkel hat, kommt das mit Blei, Kalzium und Schwefel verbundene Plankton schimmernd grün zu Geltung. So ist es, wenn man mit einer Tour unterwegs ist: ein beliebig langes Verweilen gibt es nicht – die Zeit drängt; der Führer will ja um 17 Uhr wieder in Uyuni sein.





Dort packen wir das Auto und fahren noch ein Stück Richtung Potosi. 20 km Baupiste sind das letzte noch nicht alsfaltierte Stück auf dieser Strecke.
Auf eine nochmals kalte Nacht folgt ein Morgen, der einfach nicht warm werden will. Das Thermometer bleibt bei -8°, obwohl die Sonne schon recht hoch steht. Erst um 11 Uhr sind die Temperaturen so, dass Mann ans Wandern denken kann. Ein Hügel fordert Lukas heraus. Dieser ist aber höher und steiler als auf den ersten Blick angenommen. Nach 2/3 kehrt Lukas zurück, zufrieden, sich wieder einmal so richtig bewegt zu haben, und dank den knapp 4000 müM keucht er noch lange.
Über viele Hügel, Kurven, Schluchten erreichen wir das auf über 4000 m hoch liegende Potosì. Wo können wir unseren Merzli in den engen Gassen stehen lassen? Die rechtwinkligen Einbahngassen lassen jeden Autofahrer und vor allem die Microbusse – keiner will bei den Kreuzungen abbremsen - dauernd hupen. Wir werden unangenehm von hinten gehetzt, so schnell wie möglich eine Entscheidung unserer Weiterfahrt zu treffen. Alle Hotels, die wir anfahren, verfügen nicht über einen Platz fürs Merzli. Die Gassen sind viel zu schmal, um ein Auto parkieren zu lassen. Im Vielstern-Hotel gibt es eine halbe Möglichkeit: tasüber parkt das Auto vor dem Eingang auf dem Trottoir (ein Auto mehr, wegen dem die vielen Fussgänger auf die Strasse ausweichen müssen), nachts können wir auf der abschliessbaren Garageabfahrt stehen – die Garage selbst ist zu niedrig. Bedingung: Wir schlafen im Hotel und lassen den Luxus über uns ergehen!
Eine Stadtführung zu Fuss mit einer jungen, sozialistisch eingestellten Frau führt uns den damaligen Reichtum der Europäer vor Augen. Da haben die katholische Kirche und verschiedene europäische Staaten arg gewütet: Indigene mussten in den Minen arbeiten, schwarze Sklaven beim Bau der Patrizierhäuser und monumentalen Kirchen schuften. Sowohl Indigene wie auch die schwarzen Sklaven bezahlten die Schufterei nach wenigen Jahren mit ihrem Leben. Das ist ein rabenschwarzes Kapitel der Kolonialgeschichte. Der Silberberg wurde komplett ausgeplündert, ohne dass Bolivien einen Profit davon hatte. Heute wird vor allem Zink und Zinn abgebaut, welches in wenigen Jahren ebenfalls ausgegangen sein wird.
Wir bestaunen die wunderbaren Tore mit den in Stein gemeisselten Verzierungen und Familienwappen. Die Eingänge der Kirchen sind so reich und üppig verziert, dass ich nicht umhin komme, einen Groll der damaligen katholischen Kirche gegenüber zu hegen – hatten doch die Arbeiter damals kaum eine Hütte zum Wohnen, mussten in der klirrenden Kälte ohne Heiz- und Brennstoff auskommen, hatten keine ausreichende Nahrung.. Damals gab's weder Kran noch Lift: Jeder Stein musste mühsamst über Leitern nach oben geschleppt werden – was für ein Unsinn, so den Glauben verbreiten zu wollen!
Diese Stadt berührt und geht unter die Haut. Lukas besucht anderntags die Minen – vielleicht berichtet er das nächste Mal davon.
Nach zwei Nächten im Hotel freuen wir uns gewaltig aufs Übernachten im Merzli. Wir ersehnen den Abstieg nach Sucre, wo wir uns auf mickrigen 2800m bestimmt wohler fühlen werden. Die Strassen, respektive das Gelände Boliviens bieten ein stetes Rauf und Runter. Steil ist es allerdings nie – die alten Lastwagen können gar keine steilen Strecken fahren: zu schwache Motoren, zu schwache Bremsen!
Und wie verhielt sich unser elektronikgespicktes Auto auf der Höhe? Wir waren sehr vorsichtig beim Tanken (Dieselqualität) und fuhren immer recht hochtourig. Ausser dem dauernden Warnblinken „sofort Fachwerkstatt aufsuchen“ ist alles tadellos. Und wir tun einfach so, als hätten wir diese Warnung nicht gesehen...
In Boliviens Hauptstadt Sucre finden wir einen wunderschönen Standplatz. Da werden wir eine längere Zeit bleiben. Lukas wird nächste Woche für wenige Tage in die Schweiz fliegen, um dringende Angelegenheiten zu erledigen - leider nicht, um Leute zu besuchen. Ich werde in dieser Zeit Spanischkurse besuchen und das lebendige Sucre geniessen.

Wir grüssen herzlich

Brigitte und Lukas