Samstag, 6. April 2013

Mayas und Cenotes




Hier schreibe ich diesen Blog
Mehrmals hörten wir von andern Reisenden, dass die Umgebung von Cancún durch Masserntouris­mus-Hotelbauten völlig zubetoniert sei. Tatsächlich finden wir Hotel an Hotel, aber der prächtige Strand ist fast überall prächtigen öffentlich. Ein Gütterli Flüssiges oder etwas Kleines zu essen gibts sehr wohl: ab 25 Fr. könnten wir uns an einem „all-you-can-eat“-Buffet bedienen. Alles oder Nichts – der Ka­pitalismus hat uns am Rückreisetag von Kuba bereits wieder im Griff! Denn weil alle Badegäste All-inclusive-Reisende sind, gibts keine Strandverkäufer. 
In unserem Reiseführer ist ein Campingplatz aufgeführt. Wir sind die einzigen Gäste, und so wie er aussieht, fahren spä­testens morgen die Baumaschinen auf, um auf den verluderten Platz ein weiteres Hotel zu stellen.
Auf der Fahrt durch das topfebene, verbuschte und ausgedorrte Yucatan werden wir uns einig: Die wunderschöne Karibik wollen wir noch nicht verlassen, wir wollen nochmals nach dem nicht über­völkerten Strand in Tulum mit dem pulverfeinen und weissen Sand fahren. Das dortige Büro für die (frei­willige) Haftpflichtversicherung öffnet um 8 Uhr, aber weil es um 8h 15 noch immer verwaist ist, verschieben wir den Versicherungsabschluss auf den Abend und fahren zum Strand. Auf dem Weg dorthin kommt mir ein Taxi zu nahe. Ein Diskutieren über die Schuldfrage erübrigt sich, herbeigeil­te Amigos beteuern unisono, dass ich im Fehler sei. Obwohl ich die geforderte Entschädigung um die Hälfte auf 150 Fr drücke, ist der Taxifahrer mit diesem Geld sehr glücklich und schüttelt seinem neuen Amigo die Hand. Als ich bald darauf mein Portemonnaie verliere, braucht es keine Amigos, um meine Schuld zu bezeugen, weitere 300 Fr. sind futsch. Der Bancomat ermöglicht uns aber trotzdem den Gang zur Versicherung. Ohne Selbstbehalt ist sie recht teuer, dafür hätten wir aber auch in den USA Versicherungsschutz. Dass dem nicht so ist, realisieren wir leider erst einige Tage später. - Ob nach dem heutigen teuren Tag das Feierabendbier und morgen die Frühstücksbutter wohl gestrichen werden müssen?

Es musste nicht gestrichen werden

Da wir die Maya-Ruinen auch in Cobá besichtigen, erreichen wir DEN Maya-Ort Cichen Itzá erst gegen Abend. Aus dem Schatten beobachten wir die hochrotköpfigen Touristen, die mayamässig aufdotiert, aber offenbar dehydriert, den „must-see-Ort“ verlassen. Wir wissen: Morgen werden wir uns von den Mayas schon deutlich vor dem Sonnenhöchststand verabschieden.

Erster Blick in Chichen Itzà
Bereit machen - die Touris kommen!





















Die Bücherstände in einem Touristengeschäft auf der Anlage geben mir zu denken: Aberdutzende von Büchern über die vergangene Kultur werden in vielen verschiedenen Sprachen angeboten. Über das aktuelle Leben in Mexiko, über die heutigen sozialen und wirtschaftlichen Probleme der gebeu­telten Bevölkerung finde ich praktisch nichts. Bin ich denn der einzige, der die Gegenwart inter­essanter findet als die Vergangenheit? Oder ist es für die Wissenschaftler einfacher, die Vergangen­heit zu bewältigen als die Gegenwart?









Eine kühle Zäsur in die glühenden Yucatan-Tage bieten die Cenotes. Das sind riesige Höhlen oder höhlenartige Löcher im Kalkboden, gefüllt mit kühlem klarem Süsswasser. Die meisten der aberdut­zend Cenotes sind „naturbelassen“, das heisst, nur mit geringster Infrastruktur ausgerüstet. Wir lassen uns z. B. auf einem von einem Pferd gezogenen loreartigen Wägeli durch den Buschwald zu einem Höh­leneingang fahren, steigen auf wackeliger Treppe oder Leiter in eine Höhle, schwimmen staunend zwischen den Stalaktiten und herabhängenden Baumwurzeln im kühlen Wasser, dürfen weiter zur nächsten Höhle hottern und das ähnliche nochmals geniessen. Wir sind dann so erfrischt, dass wir beim Wiederaufsteigen ganz verwundert sind, wie brutal die Sonne uns augenblicklich und unbarm­herzig wieder die Hitze entgegenknallt.

Mit dem Rösslitram durch Buschwald zu den Cenotes

Abstieg in die kühle Unterwelt
So wohl fühlt sich nur noch ein Embryo in der Fruchtblase




Am Golf von Mexiko ist eine Lagune wegen ihrer riesigen Flamingokolonie bekannt. Zusammen mit einer jungen deutschen Rucksacktouristin mieten wir ein Motorboot und kommen mit Fotogra­fieren kaum nach. Auch die Mangrovenwälder können wir aus allernächster Nähe bewundern.In Campeche machen wir wegen der bunt bemalten Häuser aus der Kolonialzeit Halt. Ein übergros­ser, fast leerer Campinglatz am Meer ist unser temporäres Zuhause (er eignet sich auch zum Einbau der vierten Wasserpumpe – mittlerweilen bin ich zum Wasserpumpenspezialist avanciert). Ganz selbstverständlich werden wir von einer mexikanischen Familie zum Mitessen eingeladen. Und weil Brigitte so feine flambierte Bananen zum Dessert anbietet, wird das ganze am Folgetag wiederholt. Bei dieser Gelegenheit lädt uns ein weiterer Gast, ein Golflehrer, gleich zu einer Gratislektion auf dem brandneuen Golfplatz ein.

Kurz vor der guatemaltekischen Grenze machen wir einen Abstecher zu einer Seengruppe. Wir wol­len die Umgebung mit dem Fahrrad erkunden. Die Leute in dieser Gegend haben kaum Arbeits­möglichkeiten. So verargen wir es ihnen nicht, dass sie mit den wenigen Touristen verdienen wol­len. Doch sie behandeln uns wie eine Touristenkuh: Diese kann man melken, muss sie aber nicht füttern. Fehlendes Futter: Kein Wegweiser, keine Wegauskunft (willst Du einen Guide?), kein WC, kein Wanderweg, kein Ruhebänkli, kein Abfallkübel. Aber viele Melker! Wir bezahlen zweimal Eintritt: für den Weg zu den Seen, und für den See selbst. Allzu viele bieten sich als Führer an. Hät­ten wir bei jeder uns zum Essen animierenden Köchin gegessen, hätten wir zwanzig Menus ver­drückt. Wir hätten reiten, Beeren kaufen, ununterbrochen trinken sollen. Und das Auto wäre von ei­ner ganzen Horde von Kindern bewacht worden. Aber wer lehrt diesen Leuten, dass eine zufriede­ne, gut gefüt­terte Kuh auf die Dauer mehr Milch gibt als eine übermolkene?



Der Grenzübergang nach Guatemala ist krass: Unmittelbar nach dem Schlagbaum ist ein Gewusel und Gedränge, ein Schreien und Gefeilsche wie im Bilderbuch. Wäre ich im Schritttempo durch diesen Grenzort gefahren, wäre ich als Raser angeschaut worden. Wir plumpsten vom relativ ge­ordneten Mexiko in eine ganz andere Welt hinein. Es scheint, dass 80% der Leute Verkäufer sind, der Rest Taxi- oder Busfahrer. Die Frauen tragen fast ausnahmslos Röcke, viele eine bunte Tracht. Karretten sind offensichtlich zu teuer oder auf den steilen Weglein nicht brauchbar, alles wird auf dem Rücken getragen. Unmittelbar am Strassenrand geht's steil hinauf oder hinunter oder stehen Behausungen. Da Benzin in Guatemala teurer ist als in Mexi­ko, stehen bis ca 30 km nach der Grenze Unmengen von Kanistern mit Schmuggelbenzin am Stras­senrand zum Kauf feil. Schmuggeln ist verboten...(?).    
In diesem Land sind Sicherheitsgurten
 obligatorisch, das auf dem Bild
gezeigte ist aber völlig legal
Dieselverkauf an der Strasse
Beachte die Schwelle ("Geschwindigkeitsreduktor")!
Von denen gibts (gefühlte) Millionen!









In der Schweiz möge es jetzt aber endlich Frühling werden. Das wünschen mit den herzlichsten Grüssen
Lukas und Brigitte




Kommentare:

  1. Hallo ihr Weltenbummler
    Bei uns ist immer noch kein Frühling in Sicht. Keine Forsytien blühen und die Wiesen werden nur ganz langsam wieder grün. Schnee ist auch schon wieder angesagt.Ganz gerne heben wir noch immer den Wintermantel an zum spazieren. Es ist kaum zu glauben aber wahr.!
    Liebe Grüsse
    Rita

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  2. An dem See war ich auch!!!
    regu

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  3. ach, es ist immer so schön erfrischend eure reiseberichte zu lesen :)
    leider tue ich dies viel zu selten...
    im gegensatz zu "den andern" hab ichs aber (meistens) auch schön warm - ich bin nämlich jetzt seit einem monat in südafrika zu hause :)
    unter www.janleb.jimdo.com könnt ihr jederzeit mehr erfahren falls euch danach sein sollte ;)
    ganz liebe bushveld-grüsse und geniesst eure reise weiterhin!
    janina

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