Sonntag, 11. August 2013

Fischende Bären und mehr


Denali NP – Denali Hwy – Valdez – McCarthy – Nabesna im Wrangell/St. Elias NP – Tok – Haines Jct – Haines – Juneau – Skagway – Whitehorse – Watson Lake























Eine gute Internet-Verbindung hier in Kanada müssen wir ausnützen: Heute haben wir das Schiff fürs Cämperli sowie unseren Flug gebucht, und weil unser fahrbares Zuhause drei Wochen unterwegs sein wird, unser Flieger aber nur einen knappen Tag braucht, reservierten wir auch noch ein Mietauto für den Grossraum Halifax und ein Hotel in Hamburg. Die Kreditkarte schrie wegen den zugemuteten Strapazen auf, aber sagt man dem in der Budgetsprache nicht „gebundene Ausgaben“? Wenn alles klappt, werden wir am 2. Oktober in Hamburg unser Cämperli wieder übernehmen können und Richtung Fehraltorf tuckerln.

Aber vorläufig genossen und geniessen wir Alaska und Kanada. Das Wetter hält sich überhaupt nicht an die Warnungen im Reiseführer, wir hörten schon Ausdrücke wie „Jahrhundertsommer“. Also klagen wir nicht. Und weil es bereits einmal eine Frostnacht gab, hat ein erfreulich grosser Teil der Mücken und Ähnlichem das Zeitliche schon gesegnet. Was bei uns keine Trauer hervorruft.
Wenn es die Alaska-Pipeline bis Valdez schafft, können wir das auch. Allerdings wählen wir den bedeutend schöneren Weg, die alte Schotterstrasse des unbedeutend gewordenen Denali Highways. Wieviel Dutzend kreisrunde Seelein im Permafrostgebiet haben uns dort zugespiegelt? Auch vergesse ich die zwei kurzen Wanderungen von der Strasse zu einem solchen Seelein nicht: Durch absolute Ruhe (allerdings häufig durch das Zerklatschen einer Mücke unterbrochen) führt ein Trampelweglein durch das Moos. Weil der Boden höchstens 30 cm aufgetaut ist, kann das Wasser nicht versickern und fliesst auch nicht ab. Also ist es ein Gehen wie auf einem Trampolin, allerdings viel feuchter!



Der Anblick der Meeresbucht in Valdez ist unglaublich: Ich übertreibe nur wenig, wenn ich schreibe, an einigen Orten habe es zwischen den laichplatzsuchenden Lachsen auch noch etwas Wasser gehabt.


Natürlich ist an dieser Stelle fischen verboten. Der Lachs will
  zum Laichen näher als 50 m an seinen Geburtsort, und wenn's noch
 so gefährlich oder anstrengend ist. Die Männlein
 befruchten die
 bereits gelegten Eier – eine freudlose Sache.)



Das freut die Ottern, die im Rückenschwumm an noch zappelnden Leckerbissen lutschen.

                Der gehört ganz allein mir!

Das freut die Bären, welche sich an den sich abmühenden Lachsen wie an einem all-you-can-eat Buffet bedienen. Und das freut die fischende Bevölkerung, welche die Tiefkühler auffüllen will.

Jetzt konnten wir sie also beobachten, die fischenden Bärlis! Eine Mutter mit ihren vier Jungen unterrichtete den Nachwuchs nach der Methode learning by doing. Man greife ins Wasser, und wenn etwas an der Pranke zappelt, schliesse man dieselbe und führe sie zum Mund.
Ab zum Fischen, sei kein Hosenscheisser!

Tränen abputzen und los!

Sei kein Spiegeläffli, geh ins Wasser!

Wenn es zappelt, sofort zupacken!

Bravo, Du hast einen!

Richtig, genau dazu hast Du solche Klauen.

Lass Dich durch das Winseln des Lachses nicht erbarmen. 
Friss die Eier und den Kopf, dann fang den nächsten Fisch.

Einer geht noch, einer geht noch rein!


Bei diesem Fischreichtum war auch ich bald erfolgreich. Aber muss denn der Bär angesichts meiner Fangbilanz seine Fischertaktik ändern und mir das Gefangene im Plasticsack und von der Angel wegzunehmen versuchen? Ich war anderer Meinung, habe mich dann aber grausam überessen müssen (unser Gefrierfach im Cämperli ist nur unwesentlich grösser als eine Zündholzschachtel).
Für mich sind 5° zu kalt, ich habe eine Angelrute.

He, Junges, da gibts frischen Lachs ohne nass zu werden!
Hol ihn Dir!
Der ist schnell, und Du bist ein Träumer!
Harte Arbeit! Ich will weder die Eier noch 
das Hirn (noch die Gräten).

Am Ende brutzelt der Lohn

Die Logik von Vorschriften in Kanada und in Alaska tickt anders als in der Schweiz. Ich sehe bestens eingerichtete Picknickplätze, pedantisch sauber, mit Bio-WC und bärensicheren Abfallkübeln, mit aufwändigst gebauten Vorrichtungen zum Schutz der Wildtiere. Wenige Kilometer später hat es Dutzende von endgelagerten Autowracks irgendwo in Gottes freier Natur, auch im Vorgarten der schönen Blockhäuser. Und der Staat macht es vor!: Der Schrott eines ersetzten Brückleins wird am Strassenrand liegengelassen, in guter Gesellschaft mit dem irreparablen Trax, ein unbrauchbarer Bus des öffentlichen Verkehrs wird von mannshohem Gras fast zugedeckt. Beim Tanken kann eine Auffangschale für ev verschütteten Diesel vorgeschrieben sein, das Oel der unzähligen Schrottautos tröpfelt aber durch die verrostete Oelwanne ins nächste Bächlein. Wenn die Gleise einer seit 10 Jahren stillgelegten Bahn die Strasse kreuzt, ist ein Sicherheitsstopp verlangt (und die Fahrer halten sich daran!!), aber Töfffahrer ohne Helm sind alltäglich. Wenn ein Bus vor einem Rotlicht anhält, lässt der Fahrer die Warnlichter blinken (so ein Busungetüm könnte sonst ja leicht übersehen werden). Aber mit einem vom Rost extrem zerfressenen Auto darf legal herumgefahren werden. An der Grenze Alaska/Kanada mussten wir die zwei Tomaten zwecks Seuchenverhinderung abgeben, aber das schmutzstarrende Pic-up-Auto mit halbvoller Brücke voll faulendem Grümpel darf kommentarlos passieren. Ganz rigoros ist in Alaska das Waffengesetz. So weist ein Kleber vor vielen Ladentüren darauf hin, dass vor dem Betreten mitgeführte Schusswaffen zu entladen und zu sichern seien!


Seit fünf, seit zehn Jahren?



 Auch für weniger sensationelle Tierli wird gesorgt

Die Schweizer seien genau? In Verbotsangaben sind die Kanadier noch genauer:
 Und wie ist es nach genau 1,62000 km?


Verbote sind häufig in einer Bildfolge dargestellt. Für den Rest dieses Reiseberichtes mache ich es auch so. Für noch mehr Fotos klickst Du wie immer oben links auf das entsprechende Kapitel.

An Strassenbuchten, Aussichtspunkten, Parkplätzen ist das Schlafen in Mobilhomes meistens verboten. Aber sowohl in Kanada als auch in Alaska gibt es viele vom Staat betriebene wunderbare Campingplätze. Die einzelnen Stellplätze liegen mehrere Dutzend Meter auseinander, jeder hat einen Tisch und eine Feuerstelle, in Kanada steht sogar Feuerholz à discretion zur Verfügung. Die Preise sind angenehm bescheiden.

Das ist ein „Primitiver Camping“ in Alaska. Er ist gratis, Wasser hat's im Bach, das WC funktioniert ohne Spülung und ohne Gerüche. Auf diesen „primitiven Campings“ fanden wir bisher immer Platz.

Noch reizvoller sind die wilden Übernachtungsplätze. Plötzlich sieht man zwischen Tag und Traum in der Ferne einen Elch, man hört unbekannte Vogelrufe, und feuern scheint ein Grundrecht (und Grundbedürfnis!) der Nordamerikaner zu sein. Hier im hohen Norden hatten wir gar nie Probleme, einen herrlichen Platz zu finden.

Das ist ein typischer Blick über den Permafrost-Wald. Die Tannen sind eher klein, sehr schlank und stehen häufig wegen des fliessenden Bodens etwas schief. Dann ist es ein betrunkener Wald.

Es ist für uns immer ein spezielles Highlight, wenn wir einen Bär sehen. Wenn man sich korrekt verhält, muss man bei einer Wanderung keine Angst haben, von einem Bärli angegriffen zu werden. Am einfachsten ist natürlich die Beobachtung vom Auto aus.





Filmli. Wahrscheinlich muss der Bär so hastig die Beeren fressen, dass er nicht Hunger bekommt beim Beerensuchen! Lange nicht alle Bären wohnen in der Nähe eines Lachs-Schlaraffenlandes. Für den Winterschlaf fressen sie sich 40% mehr Körpergewicht an. Das ist mit vegetarischer Kost ein Chrampf.


 Auf einem Schnellboot erreichten wir innert drei Stunden Juneau. Das ist eine ganz spezielle Stadt: Obwohl eher klein, ist es die Hauptstadt Alaskas (also nicht Anchorage!), mit dem Auto kann diese Stadt nicht erreicht werden (was nicht heisst, sie sei autofrei) und der Name spricht sich französisch aus. Etwa 40% der Arbeitsplätze stellt die Verwaltung, der Rest arbeitet im Tourismus. Die riesigen Kreuzfahrtschiffe können buchstäblich ins Ortszentrum fahren.


 Täglich zwei bis viermal läuft diese Show in Skagway pausenlos seit 1925! Sie handelt vom Goldrush, als ein Ehrlicher einen Bösen erschoss. Wir besuchten die Show um halb elf - jawohl, vormittags! (Letzte Vorführung halb drei nachmittags).

Eine Wüste im westlichen Kanada? Die Carcross Wüste (Caribous crossing) ist die kleinste Wüste Nordamerikas (davon gibt es aber noch viele), ist also ein weiterer Rekord. Sie entstand durch Dünenwanderung. Es war sommerlich warm, aber bei weitem nicht wüstenheiss.



Herzliche Grüsse aus dem sommerlich warmen Kanada und Alaska

Lukas und Brigitte







Kommentare:

  1. Hallo Brigitte und Lukas
    Unsere Barbara interessierte sich für euren Blog und siehe da, es gibt sogar Tagesaktualitäten zu bestaunen. Wir kennen euren Humor, auch Barbara lachte ständig und fand die Fotos super! Macht weiter so...
    Liebe Grüsse aus Evilard/Leubringen
    Brigitte, Barbara, Franz

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    1. Klar, wir geben uns Mühe, immer regelmässig zu berichten. Es freut uns natürlich, dass Ihr selbst in der Schweiz und bestimmt viel beschäftigt und gefragt, Zeit habt, unsere Reise mitzuverfolgen.
      Machet's guet und liebi Grüess
      Brigitte und Lukas

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  2. Tolle Bärenfotos! Wisst ihr, wieviel Prozent der Lachse beim Laichen draufgeht und wieviele überleben?

    Ich geniesse derzeit die Heidel- und Brom-Bären, solange es sie noch gibt.

    Ich wünsche euch einen phänomenalen "Endspurt" und drücke schonmal (ohne euch stressen zu wollen) die Daumen dass ihr es bis am 5.10 in die heimischen Gefilde schafft...

    Isabelle

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  3. Bei uns gibt es derzeit alle nur erdenklichen Bären: Heidel-, Him-, Johanis-, roten Holunder-, Wachholder-..... Bären und Beeren in Hülle und Fülle. Aber schön, dass Du diese auch geniessen kannst. Du stresst uns gar nicht mit dem Wunsch, dass wir es bis zum 5.10. schaffen. Wir würden uns ja auch freuen, wenn wir es schaffen würden. Wir geben uns Mühe!
    Liebe Grüsse
    the oldies

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  4. Liebe Brigitte, lieber Lukas

    Zurück aus Italien konnte ich mir heute Eure spannenden und originellen Berichte ALASKA und FISCHENDE BÄREN UND MEHR zu Gemüte führen. Schwimmende Elche, herumstrolchende junge Bären, eine Langohr-Eule, laichende Lachse, spiegelnde kreisrunde Seelein im Permafrostgebiet und vieles andere mehr führt Ihr uns vor Augen. Auch das rigorose Waffengesetz Alaskas ist erwähnt, wonach vor dem Betreten eines Geschäfts die Schusswaffe zu entladen und zu sichern sei.

    Auch wir wünschen Euch ein bäumiges Finale Eurer einmaligen Sinfonie durch ganz Amerika!

    Cari saluti!
    Walter und Esther

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  5. Hallo ihr zwei
    Herzlichen Dank für die tollen Bilder. Ich freue mich bis ihr wieder in der Schweiz seid, aber ich werde dann sicher die tollen Reiseberichte vermissen, die mich oft von meiner eigentlichen Arbeit am Computer abgehalten haben.
    Liebe Grüsse Rita und Peter

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  6. Bei diesen Bildern lacht das Herz und "Tränen" die Augen vor Freude! Nein echt, die Bilder sind so toll, dass man mit etwas Fantasie sich direkt nach Alaska beamen kann und wenn man genau "hinriecht" die frische Wald-Moor-Luft einatmen kann. Einfach super.
    Ich kann mir vorstellen, dass trotz der Vorfreude auf zu Hause und das Wiedersehen mit all Euren Lieben, der Abschied von Alaska doch etwas schwer fallen könnte - mir würde es so gehen!
    Hebets guet Ihr Zwei - i freu mi mega, wenn mir üs gsiehnd!
    Grüessli Astrid

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