Sonntag, 14. Oktober 2012

Ecuador - ein Naturparadies



Cuenca – Alausi -Guamote – Chimborazo – Misahualli – 
Puyo - Baños – Macas – Chimborazo - Ambato






















In Cuenca feiern wir auch meinen Geburtstag sowie unseren Hochzeitstag.  Lukas hat unsere Festivitäten überhaupt nicht versteckt; rund ums Merzli tanzen rote Ballone, die Schwarzwäldertorte steht für alle Gäste bereit; die Sitzplätze sind rar, die Stim­mung gut.

Er hat die Party organisiert

Ich lasse uns gerne feiern
Nachdem unsere Zähne geflickt sind und der Zahnarzt seiner Europareise finanziell ein Stück näher kam, juckt die Reiselust in unseren Gliedern wieder und wir freuen uns, dass es endlich weiter geht.
Wir fahren nordwärts Richtung Äquator, mit einem lohnenswerten Abstecher zu einer Orchideenzüchterei. Jetzt wissen wir, weshalb Orchideen in der Schweiz so teuer sind: Die Samen werden unter sterilen Bedingungen in eine Flasche mit dem nötigen Nährboden gelegt und luftdicht verschlossen. Bei idealen Licht- und Temperaturbe­dingungen können die Samen spriessen. Nach 2 Jahren werden die zirka 15 Sprösslin­ge pro Flasche mit einer Pinzette herausgeangelt und in Orchideenerde pikiert. Nach weiteren 5 Jahren erfolgt das Eintopfen. Dann müssen die Gärtner nochmals warten, bis endlich die Blüte erscheint. Das Resultat kann sich aber sehen lassen; alle Farben, Formen, Düfte und Grössen sind vertreten.

Die Pflänzli sind bereits seit einem Jahr in der Flasche

Bluff - pikiert hat der Gärtner
Die Mühe hat sich gelohnt
Auf dem Markt in Guamote  sind wir die einzigen Touristen. Wir sind umgeben von Einheimischen in farbenfrohen Trachten, von schön herausgeputzten jungen Mädels, die auf der Suche nach dem Passenden (zweideutig!) sind, Bäuerlein sind unterwegs, um die Ziege zu verkaufen, eine Frau mit einem quietschenden Ferkel an der Leine. Andere beladen ihren Pickup (Marke ururalt) mit der eben erstandenen Kuh, überall gibt es Gekochtes, Gebackenes, Gebratenes, Grilliertes. Der Duft überdeckt den Uringestank – die Männer bislen überall; die Frauen fast überall.
Der Markt findet in allen Gassen und auf dem Bahngleis statt. Jetzt wissen wir, wes­halb die Bahn donnerstags nicht fährt.

Da fährt an anderen Tagen die Bahn durch
Auch gebratene Hühnerbeine und -Gurgeln sind zu haben
Wir lieben die Marktbesuche und kaufen Früchte und Gemüse gerne dort ein. Den dortigen Fleischeinkauf überlassen wir aber gerne den Einheimischen. Wir ziehen das Fleisch vom Supermarkt vor, gekühlt und ohne Fliegenspuren. Aber einen solchen zu finden, ist Glücksache. So ist unser Fleischkonsum nach Argentinien und Brasilien massiv gesunken. Allerdings kauften wir in Cuenca in einer italienischen Metzgerei ein 850 g schweres Rindsfilet, braten es auf 4000 müM im Freien und verputzen das ganze aufs Mal.

Arme Sau
Übernachten auf über 4000 müM


























Wir fahren zur ersten Schutzhütte des Chimborazos auf 4850 müM hoch und treffen Nebel, Graupel und gerade mal genug Sicht an, um den Einstieg ins Auto zu finden. Lukas wandert trotzdem tapfer bis zur Whymper-Hütte auf 5050 m hoch und kehrt bei Schneefall zum Auto zurück. 

Das macht doch kein Spass





Es gibt Dinge, für die sich ein zweiter Anlauf  lohnt. So fahren wir genau eine Woche später – wir haben uns inzwischen im tropischen Regenwald, auf der Ostseite der Anden aufgehalten (siehe unten) – vom Tiefland hoch zum Parkeingang des NP Chimborazo und sehen diesen höchsten Vulkan der Welt in seiner ganzen majestätischen Form mit 6310 müM  im Sonnenlicht vor uns. Einige Nebelfetzen scharwänzeln um den Gipfel; mal mehr, mal weniger. Wir sind extrem froh, dass wir keine Kodakfilme mehr einlegen müssen – es würde uns in unserem Fotofieber finanziell ruinieren!
Wir fahren nochmals zur Schutzhütte hoch, brunchen vor der gewaltigen Kulisse, und dann zieht Lukas nochmals los, um ein Stück des Berges zu „erobern“.  Ich bleibe bei der ersten Hütte, die extreme Höhe erlaubt mir noch knapp, den Blog zu schreiben. Für mehr Aktivität fehlt mir der Sauerstoff. Just nach zweieinhalb Stunden kommt Lukas zurück, es beginnt zu graupeln, zu schneien und innerhalb weniger Minuten sinkt die Temperatur auf 2°, 15 Wärme-Grade sind vernichtet! Nachdem Lukas etwa 550 Höhenmeter überwand und mit Sauerstoffmangel rang, ist ihm klar geworden, dass noch viele Trainingsstunden vor ihm liegen würden, um den Gipfel erreichen zu können. Dazu reicht unser Ecuador-Aufenthalt aber nicht aus.
Abends gibt es ein Bettmümpfeli: Der Chimborazo zeigt sich im Abendlicht, nochmals wolkenfrei, in wechselnden Rottönen, wunderschön.

Chimborazo mit beiden Schutzhütten

Das Bettmümpfeli
Nach dem ersten erfolglosen Versuch, den Chimborazo zu sehen, fahren wir auf einer Nebenstrasse durch eine Schlucht. Sie ist gesäumt mit unzähligen Bromelien. Vor Baños, einem vielbesuchten Bade- und Vergnügungsort, geniessen wir den freien Blick auf den Vulkan Tungurahua, der sich in den letzten Wochen Steine und Lava speiend wieder einmal ausgetobt hat. Mit gut 5000 müM trägt er keine Schneehaube und sieht harmlos aus. 

Vulkan Tungurahua
Zwei Tage warten wir oberhalb Baños auf einem Aussichtspunkt und hoffen, dass sich die Nebelschwaden verziehen. Aber der Tungurahua spielt Versteckis.  Wir trösten uns in einem der vielen Hotel-Bäder. In kleinen, sauber gekachelten Freiluft-Becken, stufenweise angelegt, mit verschiedenen Temperaturen und einem herrlichen Blick über Baños lassen wir unsere Haut aufweichen.  Der Hotelbesitzer ist Schweizer, offenbar brachte er das Qualitätsbewusstsein mit. Das Honeymoonzimmer haben wir allerdings nicht belegt – na ja, wir haben ja das gemütliche Merzli...

Von Baños geht’s nochmals 1500 Höhenmeter runter, vorbei an herrlichen Orchideen und anderen Exoten ins Einzugsgebiet des Amazonas.

Der Himmel voller Geigen...

Die Grazile

Zu Hauf am Wegrand blühend

Am Rio Napo sind wir absolut in den Tropen: 37°, feucht, Wolkenberge und zeitweise Regen. In Misahuallí -  Ausgangsort für Dschungeltouren und Flussfahrten – begrüsst uns eine übermütige Affenhorde auf dem Dorfplatz. Sie klauen, was sie nur erwischen: Trinkflasche,  Feuerzeug, Fruchtsalat! Autoschlüssel und Brille sicherten wir vor ihrem blitzschnellen Griff in die Hosentasche.

Lukas ist weich geworden und hat ihm
den Rest des Fruchtsalates überlassen
Was haben mir in der Schule die Lehrer über die Tropen in der Nähe des Äquators beizubringen versucht? Vieles stimmt nicht: Der Regen setzt irgendwann ein, Gewitter haben wir bis jetzt keine erlebt, die Dämmerung dauert auch hier – je nach Wetter - einige Zeit, nachts kühlt es ab und es kann auch tagsüber nur wenig über 20° warm sein. Also Lehrer: reist in die Tropen und berichtigt eure Skripte.

Eine ausgeschilderte mehrstündige Wanderung durch Urwald ermöglicht uns eine Erkundung im Alleingang. Anfangs begleitet uns ein herrliches Gezwitscher, Geschnatter und Gepfeiffe der Vögel. Gesehen haben wir keinen einzigen. Gegen die Mittagszeit zirpen nur noch die Grillen und andere Insekten – und wir hören unseren Schweiss tropfen.

Zwei, die's geniessen
Wir übersteigen Baumstämme, überqueren Bächlein auf Baumstämmen und folgen brav der Ausschilderung zu einem Aussichtsturm. Schweissgebadet stehen wir vor ihm. Aber: „Nein, da hinauf muss ich nicht“. Ein aus Armierungseisen zusammen geschweisster Turm von etwa 40 cm Durchmesser und höher als die Urwaldbäume – das ist doch eher für die Affen! 

Wer will da schon rauf?
Wir geniessen den Streifzug ausserordentlich: Lianen, Bretterwurzeln, ineinander ver­schlungene Äste, hin und wieder Blumen, Blattschneiderameisen, Spinnen, riesige Blätter... Abends merken wir, dass auch die Mücken aktiv gewesen sind. Offenbar lieben sie uns zum Anbeissen.
Wir folgen dem Pfeil Richtung Casa Suizo und freuen uns auf ein gutes, ja vielleicht schweizerisches Mittagessen. Aber wir stranden in einem kleinen Beizli für Einheimische vor der Fähre über den Rio Napo. Das Mittagsmenü besteht in mehr oder weniger Suppe, mehr Reis als Fleisch, Blaukabissalat, Bananentätschli. Es schmeckt gut, wenn wir von der ausgemergelten durchtrainerten Kuh in der Sauce absehen.

Ist doch typisch: Casa Suiza!
Nach dem zweiten Chimborazobesuch reisen wir nun nordwärts und hoffen, dass wir einige der vielen Vulkane zu Gesicht bekommen.


Wir wünschen Euch nebelfreie Herbsttage mit viel Sonnenschein und grüssen herzlich

Brigitte und Lukas

PS: Das Fotoalbum ist dieses Mal besonders den Blumen- und Pflanzenfreunden gewidmet.


Kommentare:

  1. Mein Herz schlägt bei all den Blumenfotos deutlich lauter! Auch über die roten Luftballone und die Schwarzwäldertorte habe ich mich sehr gefreut! Schön, dass ihr so gefeiert habt!
    regu

    AntwortenLöschen
  2. Ja, da kommen viele Erinnerungen an meine allererste Rucksackreise quer durch Ecuador vor 10 Jahren!! Beim Casa Suiza musste ich schmunzeln. Hat sich anscheinend nicht viel verändert! Buen viaje! Jutta

    AntwortenLöschen